Die Rolle der Motorik der Hüft- und Schultergelenke bei unspezifischen Rückenschmerzen

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Donnerstag, den 14.01.2021
Donnerstag, den 17.06.2021

Es gibt eine große Anzahl an Übungsbehandlungsmethoden, die sich lediglich in der Nuancierung unterscheiden, um Rückenbeschwerden zu behandeln. Auf dem Prüfstand der Wissenschaft enttäuschen alle: Keine dieser Methoden hat sich wirklich als medizinisches Training bewährt, um dauerhaft Rückenschmerzen zu lindern und Funktionseinschränkungen zu verbessern. Obwohl nationale und internationale Richtlinien bestätigen, dass Aktivität den höchsten Nutzen zur Linderung der Skelettbeschwerden aufweist, soll es keine Spezifität für Bewegung geben: Es dominiert das alltägliche Bewegen als meist effektive therapeutische Maßnahme. Es spielt keine Rolle, wie man sich bewegt, solange man sich bewegt.
Obwohl die Wissenschaft enge Zusammenhänge zwischen Rückenschmerzen und Dysfunktionen der Schulter- und Hüftgelenke unwiderlegbar nachweist, konnte ein kausaler Zusammenhang nicht festgestellt werden. Doppelblinde, patienten-kontrollierte Studien unterliegen confounding: gelegentlich können auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Klinisches Überlegen und Befunderhebung bleiben gerade deshalb bedeutsam zur richtigen Diagnostik.
Trotzdem fokussieren alle Methoden auf die Wirbelsäule mit ihren Bandscheiben und die vermuteten Zusammenhänge mit den peripheren Nervenals die Verursacher von Rückenschmerzen.
PhysioNovo erkennt und bestätigt nun diese enge Korrelationen und sucht die Ursache von Rückenschmerzen in motorischen Störungen der Schulter- und Hüftgelenke. Schon geringe Störungen  können motorische Kompensationsmechanismen auslösen und so das vertebrale und ilio-sakrale Kapsel- und Bandapparat (zu) stark belasten, wodurch indirekt Rückenschmerzen entstehen.
Ausstrahlende Beschwerden in einem Arm oder Bein sind direkte Folgen eines nicht optimal funktionierenden Gelenks.
PhysioNovo zielt daher zielgerichtet und spezifisch auf das verbessern der dynamischen Gelenkmotorik und der statischen vertebralen Motorik ab.
PhysioNovo ist hiermit einzigartig in seiner Ansicht und Herangehensweise und hat sich durch jahrelange Praxis empirisch bewährt.

Inhalte:

  • Einführung und Vorstellung des Konzepts, der Entstehungsgeschichte und der Möglichkeiten für Rehabilitation und Sport
theoretischer Teil:
  • Anatomie und (patho-) Physiologie peripherer Nervenfasern im Hinblick auf ihre Erregbarkeit, Empfindlichkeit und mechanische Belastung (Dehnung, Zug und Druck) – wie real ist z.B. Schmerz als neuropathisches Symptom? – radikuläre Symptomatik
  • Pathophysiologie der Gelenke – von gelegentlichen, unklaren Muskelschmerzen bis hin zu Sehnen- und Muskelrissen – artikuläre – „pseudoradikuläre“ Symptomatik
  • Differentialdiagnostik radikuläre – pseudoradikuläre – artikuläre Symptomatik
  • Biomechanik – Motorik – Sensorik der funktionellen Bewegungssegmente der Wirbelsäule – wie real sind Foraminastenosen, wie real sind periphere Nerveneinklemmungen?
  • Biomechanik der Doppelten-S-Form
  • Skoliose – biomechanische Eigenschaften – Zusammenhang mit der Funktion der großen Gelenke
  • Klinische versus radiologische Diagnostik
  • Rücken-, Gelenk- und Muskelschmerzen – wann sind Schmerzen indiziert/kontraindiziert für die Trainings-/Übungstherapie?
  • Das artikulär-neurologische System – AMI: Arthro-Myogene-Inhibition/AMF: Arthrogene Myogene Fazilitation
  • Die Rolle des artikulären neurologischen Systems bei Muskelkraft, Muskellänge und Gelenkbeweglichkeit
  • Biomechanische Eigenschaften der peripheren und Wirbelgelenke – motorische Belastbarkeit verschiedener Bewegungsrichtungen
  • Iliosakralgelenk – (SI) – Skapulothorakalgelenk (ST) – biomechanische Zusammenhänge mit Hüft- und Schultergelenken
  • Motorische Kompensation – Ursachen – Folgen
  • Hip-Spine-Syndrom – motorischer Zusammenhang zwischen Hüftgelenk und Lendenwirbelsäule – early coupling
  • Schoulder-Spine Syndrome – motorischer Zusammenhang zwischen Schultergelenk, Hals- und Brustwirbelsäule
  • Shrugging – Winging – Tipping – Skapula Dyskinesie – skapulokostale Symptomatik
  • Rumpfstabilität – Zusammenhang mit Schulter- und Hüftgelenken
  • Integrale Motorik – Verbindung zwischen vertebraler- und artikulärer Motorik
  • Doppelfunktionen verschiedener Muskelgruppen – motorik Schulterblatt/BWK und Hüftgelenk/LWK
  • Die zentrale Funktion des paradoxen Anspannungsmuster der Bauchmuskeln
  • Force couple, force closure, closed packed/loose packed position, muscle synergy, force chain: ihre Bedeutung für die aktive Stabilität, Beweglichkeit und Belastbarkeit der Gelenke und der Wirbelsäule

Entwicklung/Grundlagen verschiedener Übungskonzepte:

  • Motor control exercise: one-size-fits-all Trainingskonzept. Klassische unspezifische Trainingsprogramme konzentrieren sich hauptsächlich auf die Wiederherstellung der Funktion der tiefen und oberflächlichen Rumpfmuskulatur durch überwiegend selektive konzentrische Muskelaktivität
  • Movement control: motorische Kontrolle der LWS als Trainingskonzept (O’Sullivan 2005, Luomajoki 2018)
  • Movement system impairment (MSI) syndrome – Sahrmann 2017: insuffiziente Motorik verursacht Rückenschmerzen
  • PhysioNovo – insuffiziente Gelenkfunktion verursacht Rückenschmerzen – Anwendungsprinzip des force couples – Streben nach endgradiger artikulärer Bewegung und nach mittelständiger, entlastender Position der Wirbelgelenke

praktischer Teil:
Klinische motorische Diagnostik

  • Erhebung einer vollständigen Anamnese eventuell ergänzt durch eine körperliche Untersuchung, um eine Kontraindikation (neurologisch – organisch) für eine Übungsbehandlung auszuschließen
  • Bestimmung des exakten ROM sowohl der WS als auch der großen Gelenke – aktiv, passiv, resistiv
  • Beurteilung des Bewegungsablaufs der beiden Teile des Coxal- und / oder des Glenohumeralgelenkes
  • genaue Lokalisierung des Ortes, der Zeit und der Dauer des Auftreten des Schmerzes, und bei welchen Wirbel-/Gelenkbewegungen
  • Erkennen von (subtilen) motorischen Kompensationen
  • Bestimmung der Muskelkraft der Rücken-, Schulterblatt-, Schulter-, Bauch- und Hüftmuskulatur mittels selektiver Muskelfunktionstests
  • Demonstration der Palpationstechnik als diagnostisches Instrument
  • Analyse des Geh- und Laufmusters basierend auf seiner physiologischen Entwicklung – Lateralshift Thorax/Becken – Trendelenburg Zeichen – Sway back – Abrollbewegungen von Fuß, Knie und Hüfte
  • Darstellung der Hilfsfrage des Patienten

Motorische Behandlung – Umsetzung der Ergebnisse der klinischen Motorischen Diagnostik in realistische motorische Behandlungsziele – Basics: Die Säulen für den richtigen Sport und die richtige Therapie

Armmotorik

  • Verbessern der vorwiegend statischen Motorik des Schulterblattes und der dynamischen Motorik des Armes
  • Funktionelle Kopplung der Armmotorik mit der aktiven Extension der Brustwirbelsäule
  • Wählen der Bewegungsrichtung mit der geringsten Gelenkbelastung – Aufbau zu belastenderen Bewegungsrichtungen

Beinmotorik

  • Verbessern der vorwiegend statischen Becken- und dynamischen Beinmotorik
  • Funktionelle Kopplung der dynamischen Beinmotorik mit der Stabilisierung der Lendenwirbelsäule
  • Wahl der Bewegungsrichtung mit der geringsten Gelenkbelastung aufbauend zu belastenderen  Bewegungsrichtungen
  • Lauf- und Gehtraining – wegen der großen funktionell-therapeutischen und präventiven Bedeutung der Lokomotion wird die Optimierung der Lauf- und Gehmotorik fußend auf der physiologischen entwicklung des Gehens angestrebt

BWS- und HWS-Motorik

  • Optimierung der statischen Motorik der Lenden- und Brustwirbelsäule – Haltungsschulung
  • Optimierung der dynamischen motorischen Fähigkeiten der Halswirbelsäule als Bewegungsorgan – Auswahl der richtigen geringbelastenden Bewegungsrichtungen der HWS
  • Integration der Arm-, Bein- und Rumpfmotorik – Integration in ADL und Sport
  • Besonderes Augenmerk auf das professionelle Training der Bauchmuskulatur wegen ihrer komplexen paradoxen Funktion und Bedeutung für die Belastbarkeit der gesamten Wirbelsäule

Die Fortbildung zielt darauf ab, die motorischen Zusammenhänge zwischen den großen Gelenken und der Wirbelsäule bei unspezifischen Rückenschmerzen ersichtlich zu machen und hieraus reale motorische Behandlungsziele für Sport und Therapie abzuleiten.
Die Teilnehmer sind nach Abschluss der Fortbildung in der Lage, solide klinisch-motorische Befunde zu erheben und entsprechende reale motorische Behandlungsziele zu erstellen.

weitere Infos und Publikationen: www.physionovo.de

Kurszeiten:
1. Tag: 09.00 – 18.00 Uhr
2. Tag: 08.30 – 16.00 Uhr

Bitte bringen Sie warme Wollsocken (als Hausschuhe), ein großes Handtuch, bequeme Kleidung und eine Schreibunterlage (Schreibbrett) mit.

 

Gebühren: 320,00 €
Unterrichtseinheiten: 18
Fortbildungspunkte: 18
Kursort: ZiFF, Essen
Geraedts, Paul
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