Das psychotherapeutische Behandlungskonzept der narrativen Expositionstherapie wird für die Behandlung von traumatisierten Kindern und Erwachsenen eingesetzt. Das Ziel dieser Gesprächstherapie ist die Möglichmachung einer Externalisierung des Problems durch den Traumatisierten und die neue Einordnung des Selbst in das Geschehene. Traumatisierte leiden oft an traumabedingten Amnesien und neigen dazu, das Erlebte zu verdrängen. Diese für sie spezifische Gedächtnisproblematik führt zu einer fehlenden Verortung und Vergeschichtlichung der traumatischen Ereignisse. Logisch strukturierte (kalte) und emotionale, verwirrte („heiße“) Gedächtnisinhalte bleiben deshalb unverbunden, existieren nebeneinander statt als Einheit miteinander. Die NET versucht, diese Erinnerungen wieder zu vereinen und sie zu einer sinnvollen Geschichte zusammenzuführen. Dafür positioniert sich der Patient zusammen mit dem Therapeuten außerhalb des Traumas (Ex-position), indem er bewusst in der Gegenwart von dem Erlebten erzählt und gegebenenfalls wiedererlebt. Dabei soll möglichst chronologische vorgegangen werden. So gibt der Patient seine komplette Lebensgeschichte wieder, wobei der Fokus gezielt auf negativen Erinnerungen liegt, während positive Erlebnisse als Ressource wiederentdeckt werden. In Dialog und Niederschrift wird so die Vergangenheit durch intensives Wiedererfahren aktualisiert. Gleichzeitig wird durch das Gespräch Schutz und Distanz zum Geschehenen geschafft. Die Therapie findet so lange statt, bis das Erlebte sich autobiographisch einordnen, benennen, begreifen und verorten lässt. Die Integration der Ereignisse liefert so für den Traumatisierten Erleichterung.

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