ZiFF-Tipp: Befundungsphase | ZiFF-Fortbildungen

Die Arbeit in der Küche eignet sich gut, um Kinder in der Befundungsphase strukturiert zu beobachten. Dabei kann sichtbar werden, wie Kinder explorieren, Materialien manipulieren, einen Handlungsablauf planen und wie sich Handgeschicklichkeit oder Dominanz zeigen. In der therapeutischen Anwendung können Küchenaufgaben genutzt werden, um diese Fertigkeiten gezielt aufzugreifen. Zusätzlich erleben Kinder häufig Stolz, wenn sie ein fertiges Produkt herstellen und anschließend mitnehmen können.

Küchenaufgaben als therapeutischer Praxisimpuls

Ein einfaches Rezept kann in der Ergotherapie mehrere Beobachtungsebenen miteinander verbinden. Die Kinder arbeiten mit Materialien, folgen einzelnen Handlungsschritten und erleben ein konkretes Ergebnis. Gerade in der Befundungsphase kann dies hilfreich sein, weil sich viele Aspekte nicht isoliert, sondern in einer alltagsnahen Handlung zeigen.

Fladenbrotrezept für die therapeutische Arbeit

Für das Fladenbrot werden nur wenige Zutaten und Arbeitsschritte benötigt:

  • Eine Tasse Weizenkörner mit einer Handmühle, die zuvor aufgebaut werden muss, zu Schrot mahlen.
  • Eine viertel Tasse Mineralwasser zugeben und kurz quellen lassen.
  • Den Teig mit einer Prise Salz und einem Esslöffel Öl vermengen.
  • Den Teig auf dem Tisch ordentlich durchkneten.
  • Eine Kugel formen.
  • Die Kugel auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen.
  • Den Teig mit beiden Händen platt drücken.
  • Bei 200 °C etwa 10 Minuten backen.


Was dabei beobachtet werden kann

Die Arbeitsschritte ermöglichen eine strukturierte Beobachtung unterschiedlicher Fähigkeiten und Verhaltensweisen. Beobachtet werden können unter anderem:

  • Exploration von Material und Werkzeug
  • Manipulation von Zutaten und Teig
  • Planung eines Handlungsablaufs
  • Handgeschicklichkeit
  • Dominanz
  • Umgang mit einzelnen Arbeitsschritten
  • Selbstständigkeit in einer alltagsnahen Aufgabe

Dadurch wird die Küchenaufgabe nicht nur zu einer praktischen Tätigkeit, sondern auch zu einer alltagsnahen Möglichkeit der Beobachtung und therapeutischen Einordnung.

Zusätzliche Alltagsschritte einbeziehen

Auch das Aufräumen und Spülen kann Teil der therapeutischen Situation sein. Wenn keine Spülmaschine vorhanden ist, entsteht für die Kinder zusätzlich die Aufgabe, das benutzte Geschirr wieder sauber zu bekommen. Häufig bleibt außerdem noch Zeit, das Rezept aufzuschreiben. So kann das Kind das Brot auch zu Hause nachbacken und die Handlung in den Alltag übertragen.


Fazit: Befundung alltagsnah beobachten

Die Arbeit in der Küche bietet eine alltagsnahe Möglichkeit, Kinder in der Befundungsphase differenziert zu beobachten. Beim Mahlen, Mischen, Kneten, Formen, Backen und Aufräumen werden verschiedene Handlungsschritte sichtbar. Gleichzeitig entsteht ein konkretes Produkt, das die Kinder mitnehmen können. Dadurch verbindet die Aufgabe Beobachtung, Handlung, Selbstständigkeit und Motivation in einem überschaubaren Ablauf.

Fachlich vertiefen

Themen wie Ergotherapie, Feinmotorik, Motorik, Körperwahrnehmung, Handlungsplanung und alltagsnahe therapeutische Aufgaben werden insbesondere in Fortbildungen aus dem Bereich Ergotherapie fachlich aufgegriffen und praxisnah vertieft.

Dieser Praxisimpuls stammt von Sabina Sell-Krude. Sie ist Ergotherapeutin, inzwischen im wohlverdienten Ruhestand und war viele Jahre Dozentin für Affolter und Sensorische Integration (DGfSI – Deutsche Gesellschaft für Sensorische Integration e. V.) im ZiFF.

Sabina Sell-Krude
Ergotherapeutin BcOT

(ursprünglich 2016 veröffentlicht, 2026 redaktionell überarbeitet)

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