ZiFF-Tipp: Gras selbst ziehen ZiFF-Fortbildungen

Gras selbst zu ziehen ist nicht nur zu Ostern eine einfache und anschauliche Aktivität für die therapeutische und pädagogische Arbeit mit Kindern. Das Herstellen, Pflegen und Beobachten des Grases verbindet alltagsnahes Handeln mit Feinmotorik, Koordination und Handlungsplanung. Selbstgezogenes Gras kann später auf als Tischdekoration genutzt werden. Für viele Kinder ist es motivierend, ein eigenes Produkt herzustellen, zu pflegen und nach einigen Tagen das erste Wachstum zu beobachten.

Aussaat als therapeutischer Praxisimpuls

Beim Ziehen von Gras/Weizengras entstehen mehrere überschaubare Handlungsschritte: ein Gefäß vorbereiten, Erde oder Watte einfüllen, Samen verteilen, vorsichtig wässern und das Wachstum über mehrere Tage begleiten. Dadurch eignet sich die Aktivität gut für therapeutische Situationen, in denen Feinmotorik, Koordination, Kraftdosierung, Impulskontrolle und Handlungsplanung miteinander verbunden werden sollen.

Materialien für die Aussaat

  • ein wasserundurchlässiges Gefäß
  • Erde oder Watte
  • Samen, zum Beispiel Ostergrassamen, Weizenkörner oder Gerste
  • Wasser
  • optional eine Sprühflasche

Als Gefäße eignen sich zum Beispiel Tonuntersetzer von Blumentöpfen, Suppenteller oder ausgespülte Quarkbecher. Wenn mehr Zeit vorhanden ist, können Kinder vorab auch Blumentöpfe selbst anmalen und anschließend bepflanzen.


Aussaat Schritt für Schritt

  • Weizenkörner bei Bedarf vor dem Pflanzen einige Stunden quellen lassen. So können sie Wasser aufnehmen und der Keimprozess wird angeregt.
    Bei kleineren Grassamen ist dieser Schritt nicht notwendig.
  • Das Kind befüllt das Gefäß mit Erde oder alternativ mit Watte.
  • Die eingeweichten oder nicht eingeweichten Körner beziehungsweise Grassamen werden darauf verteilt.
  • Die Samen können dicht gesät werden, sollten aber nicht alle auf einem Haufen liegen.
  • Das bepflanzte Gefäß wird vorsichtig und gleichmäßig gewässert. Dafür eignet sich eine Sprühflasche.
  • Das Gefäß kann anschließend mit nach Hause genommen werden und sollte täglich gegossen werden.
  • Nach etwa 5 bis 6 Tagen erscheinen in der Regel die ersten grünen Spitzen.
  • Wenn das Ostergras zu hoch geworden ist, kann es kurz vor Ostern mit der Schere gekürzt werden.

Warum die Aktivität therapeutisch sinnvoll ist

Das Ziehen von Gras unterstützt verschiedene feinmotorische und organisatorische Anforderungen. Kinder füllen, streuen, verteilen, dosieren, gießen und beobachten über mehrere Tage hinweg den Entwicklungsprozess.
Die Aktivität kann Handlungsplanung, Hand-Hand-Koordination, Hand-Auge-Koordination, verschiedene Grifftechniken, Kraftdosierung und Impulskontrolle beim Gießen unterstützen. Häufig entsteht zusätzlich ein gesteigertes Selbstwertgefühl und mehr Selbstwirksamkeit, weil das Kind ein eigenes Produkt hergestellt hat. Auch das Abwarten, bis etwas sprießt, kann für viele Kinder eine wichtige Erfahrung sein.


Expressvariationen

Wenn die Zeit für das normale Aussäen knapp ist, kann das gesäte Gras auf die Heizung gestellt werden. Dadurch kann sich der Prozess beschleunigen. Wenn auch dafür nicht mehr genügend Zeit bleibt, kann statt Gras Kresse verwendet werden. Diese ist in der Regel nach etwa 8 Tagen fertig.

Für wen eignet sich dieser Praxisimpuls?

Der ZiFF-Tipp eignet sich für den therapeutischen und pädagogischen Arbeitsalltag mit Kindern, besonders wenn Feinmotorik, Koordination, Handlungsplanung, Kraftdosierung oder Impulskontrolle gezielt unterstützt werden sollen. Er kann in der Ergotherapie, in der SI-orientierten Arbeit, in pädagogischen Angeboten und in alltagsnahen Fördersituationen eingesetzt werden.

Fazit: Grasaussaat als einfache Therapieidee

(Oster-)Gras selbst zu ziehen ist eine einfache und jahreszeitlich passende Therapieidee. Kinder erleben einen klaren Ablauf, arbeiten mit unterschiedlichen Materialien und können das Ergebnis über mehrere Tage beobachten.
Gerade die Verbindung aus praktischer Handlung, Pflege, Warten und sichtbarem Wachstum macht die Aktivität für viele Kinder anschaulich und motivierend.


Fachlich vertiefen

Themen wie Feinmotorik, Koordination, Handlungsplanung, Kraftdosierung und Sensorische Integration werden in passenden Fortbildungen im ZiFF fachlich aufgegriffen und praxisnah vertieft.

Dieser Praxisimpuls stammt von Karin Hirsch-Gerdes und Birgit Pammé, den Leiterinnen des Bereiches Ergotherapie und der zertifizierten Kursreihe in Sensorischer Integration (DGfSI – Deutsche Gesellschaft für Sensorische Integration e. V.) im ZiFF.

Karin Hirsch-Gerdes
SI-Lehrtherapeutin und Bobath-Ergo-Lehrtherapeutin, Haus der Ergotherapie

Birgit Pammé
SI-Lehrtherapeutin und Bobath-Ergo-Lehrtherapeutin, DKSB Essen

(ursprünglich 2016 veröffentlicht, 2026 redaktionell überarbeitet)

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