Die visuelle Wahrnehmung spielt eine wichtige Rolle bei Bewegungen, bei feinmotorischen und grobmotorischen Anforderungen sowie bei verschiedenen Lernvorgängen von Kindern. Besonders im Schulalter können Kinder mit Wahrnehmungsstörungen Schwierigkeiten in der visuellen Wahrnehmung zeigen, zum Beispiel beim Erlernen von Lesen, Schreiben, Buchstaben und Zahlen.
Visuelle Wahrnehmung als therapeutischer Praxisimpuls
Die visuelle Wahrnehmung hängt eng mit der Entwicklung des Körperschemas und mit der Wahrnehmung des eigenen Körpers im Raum zusammen. Körperwahrnehmung entwickelt sich besonders über das taktil-kinästhetische System.
Die Wahrnehmung des Körpers im Raum wird vor allem über das vestibuläre System unterstützt. Dabei geht es unter anderem um Fragen wie: Wo bin ich im Raum? Was ist oben, unten, rechts oder links? Wie bewege ich mich im Raum?
Basissysteme und visuelle Förderung
In der Sensorischen Integration spielt die Entwicklung und Förderung der Basissysteme eine besondere Rolle. Dazu gehören insbesondere taktil-kinästhetische und vestibuläre Grundlagen.
Ergänzend können Aufgaben eingesetzt werden, die das visuelle System sowie Konzentration und Aufmerksamkeit ansprechen. Besonders für Schulkinder eignen sich Suchbilder, bei denen bestimmte Figuren oder Gegenstände in einem Gesamtbild entdeckt werden müssen.

Birgit und Karin haben sich in ihrem ganz eigenen Wimmelbild versteckt.
„Wo ist Walter?“ in der Therapie nutzen
Die „Wo ist Walter?“-Bücher können hierfür ein motivierendes Material sein. Walter trägt eine rote Pudelmütze, eine Brille und einen rot-weiß gestreiften Pullover. Trotzdem ist er in den detailreichen Suchbildern nicht leicht zu finden. Die Suchbilder des britischen Illustrators Martin Handford sind seit vielen Jahren als Bilderbücher bekannt. In der Therapie können sie genutzt werden, um visuelle Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Ausdauer spielerisch anzusprechen. Wimmelbücher gibt es aber inzwischen in einer Vielzahl von Themen von verschiedenen Autoren.
Erweiterungsidee für den Therapieraum
Ähnliche Figuren wie Walter und seine Freunde können bunt kopiert und im Raum versteckt werden (Achtung – Urheberrecht). Die Kinder suchen die Figuren dann im Raum oder erobern sie über einen Parcours. So wird die visuelle Suchaufgabe mit Bewegung, Orientierung im Raum und Handlungsplanung verbunden.
Schreiben als ergänzende Aufgabe
Im Anschluss können Sätze geschrieben werden, in denen beschrieben wird, wo die Figuren versteckt waren. Dadurch lässt sich die visuelle Suchaufgabe mit sprachlicher Verarbeitung, Schreiben und räumlicher Orientierung verbinden.
Therapeutische Schwerpunkte
Der Einsatz von Suchbildern und versteckten Figuren kann unterschiedliche therapeutische Schwerpunkte unterstützen:
- visuelle Wahrnehmung
- Konzentration
- Aufmerksamkeit
- Orientierung im Raum
- Körperwahrnehmung
- sensomotorische Entwicklung
- Handlungsplanung
- Schreiben von Sätzen
Fazit: Suchbilder als motivierender Therapieimpuls
Suchbilder wie „Wo ist Walter?“ können Kinder motivieren und zugleich visuelle Wahrnehmung, Konzentration, Aufmerksamkeit und Orientierung im Raum ansprechen.
Wenn die Figuren zusätzlich im Raum versteckt und über einen Parcours gesucht werden, entsteht ein vielseitiger Therapieimpuls, der Wahrnehmung, Bewegung und Handlungsplanung miteinander verbindet.
Fachlich vertiefen
Themen wie Sensorik, Sensorische Integration, Körperwahrnehmung, sensomotorische Entwicklung, Visuomotorik, Konzentration und Aufmerksamkeit werden insbesondere in Fortbildungen aus dem Bereich Ergotherapie und Sensorische Integration fachlich aufgegriffen und praxisnah vertieft.
Dieser Praxisimpuls stammt von Karin Hirsch-Gerdes und Birgit Pammé, den Leiterinnen des Bereiches Ergotherapie und der zertifizierten Kursreihe in Sensorischer Integration (DGfSI – Deutsche Gesellschaft für Sensorische Integration e. V.) im ZiFF.

Karin Hirsch-Gerdes
SI-Lehrtherapeutin und Bobath-Ergo-Lehrtherapeutin, Haus der Ergotherapie
Birgit Pammé
SI-Lehrtherapeutin und Bobath-Ergo-Lehrtherapeutin, DKSB Essen
(ursprünglich 2016 veröffentlicht, 2026 redaktionell überarbeitet)
