Die Affolter-Methode | ZiFF-Fortbildungen

Die Affolter-Methode, benannt nach der Schweizer Psychologin, Psychotherapeutin, Logopädin und Gehörlosenlehrerin Frau Dr. Félicie Affolter, ist eine therapeutische Methode, die besonders in der Rehabilitation und Neurorehabilitation von Menschen mit neurologischen Beeinträchtigungen, Wahrnehmungsstörungen und Handlungsproblemen angewendet wird. Sie wird auch als Affolter-Modell oder Gespürte Interaktionstherapie bezeichnet. Ziel dieser Therapieform ist es, Menschen durch gezielte, geführte Alltagshandlungen dabei zu unterstützen, ihre Wahrnehmung, ihre Orientierung im Alltag sowie motorische und kognitive Fähigkeiten zu verbessern.

Die Affolter-Methode wurde von Félicie Affolter in der Schweiz entwickelt. Frau Dr. Affolter war keine Physiotherapeutin, sondern arbeitete aus einem Hintergrund der Psychologie, Logopädie, Gehörlosenpädagogik und Wahrnehmungsforschung heraus. Ihre Arbeit steht in enger Verbindung mit Fragen der Neuropsychologie, der Entwicklung menschlicher Wahrnehmung und der therapeutischen Unterstützung von Menschen mit Wahrnehmungs- und Handlungsstörungen. Dabei ging es ihr weniger um isolierte Übungen, sondern vor allem darum, wie Menschen über gespürte Erfahrungen, Bewegung und Interaktion mit ihrer Umwelt lernen können.

Die Affolter-Methode basiert auf mehreren grundlegenden Prinzipien:

Sensorische und taktil-kinästhetische Wahrnehmung: Ein zentraler Bestandteil der Methode ist das Spüren. Durch geführte Berührung, Bewegung und Kontakt mit der Umwelt erhält der Patient sensorische Informationen, die ihm helfen können, Situationen besser wahrzunehmen, Zusammenhänge zu erkennen und Handlungen sinnvoller auszuführen.

Geführte Alltagshandlungen: Die Therapie arbeitet nicht vorrangig mit abstrakten oder isolierten Übungen, sondern mit konkreten Alltagssituationen. Therapeutinnen und Therapeuten führen dabei Hände und Körper des Patienten so, dass dieser eine Handlung körperlich-spürbar nachvollziehen kann. Ziel ist es, Wahrnehmung, Orientierung und Handlungsfähigkeit im Alltag zu unterstützen.

Alltagsbezug: Ein zentraler Aspekt der Affolter-Methode ist die Arbeit an Tätigkeiten, die einen direkten Bezug zum Leben des Patienten haben. Dadurch wird die funktionelle Rehabilitation unterstützt und die Anpassung an alltägliche Aufgaben gefördert.

Förderung von Wahrnehmung und Handlung: Die Methode richtet sich besonders an Menschen, die Schwierigkeiten haben, Informationen aus ihrer Umwelt aufzunehmen, zu ordnen und in sinnvolle Handlungen umzusetzen. Dadurch können sowohl motorische als auch kognitive Prozesse angesprochen werden.

Die Affolter-Methode wird vor allem bei Patienten mit neurologischen Störungen, Wahrnehmungsstörungen und erworbenen oder angeborenen Beeinträchtigungen eingesetzt, darunter:

Schlaganfall: Zur Unterstützung von Menschen, die nach einem Schlaganfall Schwierigkeiten mit Wahrnehmung, Bewegung, Orientierung oder Alltagshandlungen haben.

Traumatische Hirnverletzungen: Zur Begleitung von Patienten nach einem körperlichen Trauma oder einer traumatischen Verletzung des Gehirns, wenn Wahrnehmung, Handlungsplanung oder Alltagskompetenzen beeinträchtigt sind.

Neurologische Erkrankungen: Die Methode kann auch im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson und anderen neurologischen Störungen eingesetzt werden, wenn Wahrnehmung, Bewegung, Selbstständigkeit oder Orientierung im Alltag betroffen sind.

In der Affolter-Methode werden verschiedene therapeutische Vorgehensweisen angewendet, die darauf abzielen, die gespürte Wahrnehmung und die Handlungsfähigkeit zu unterstützen. Dazu gehören:

Therapeutisches Führen: Der Patient wird nicht einfach angeleitet, sondern in konkreten Alltagshandlungen körperlich geführt. Dadurch kann er über den eigenen Körper und die Umwelt wichtige Informationen aufnehmen.

Taktil-kinästhetische Informationen: Durch Berührung, Bewegung und Kontakt mit Gegenständen oder der Umgebung werden Wahrnehmungsprozesse angeregt. Diese Informationen helfen dem Patienten, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge besser zu erfassen.

Alltagsorientierte Aktivitäten: Die Therapie findet möglichst in sinnvollen Handlungen statt, zum Beispiel beim Greifen, Waschen, Anziehen, Essen oder bei anderen alltäglichen Tätigkeiten. Dadurch wird nicht nur eine einzelne Funktion trainiert, sondern die Fähigkeit, Handlungen im Alltag besser zu bewältigen.

Heute wird die Affolter-Methode in verschiedenen Bereichen der Neurologie, Neurorehabilitation, Ergotherapie, Physiotherapie, Pflege, Pädagogik und Therapie angewendet. Sie gilt als wichtiger Ansatz für Menschen mit Wahrnehmungs- und Handlungsstörungen, insbesondere wenn diese nach neurologischen Erkrankungen, einem Schlaganfall oder einer traumatischen Hirnverletzung auftreten. Der Begriff Neuroplastizität kann dabei als allgemeiner neurobiologischer Hintergrund verstanden werden, weil Rehabilitation grundsätzlich darauf aufbaut, dass das Gehirn durch Erfahrung, Wiederholung und Interaktion Lern- und Anpassungsprozesse entwickeln kann. Die Affolter-Methode selbst legt den Schwerpunkt jedoch besonders auf gespürte Interaktion, Wahrnehmung und sinnvolle Alltagshandlungen.

Die Affolter-Methode ist somit eine therapeutische Methode, die auf Wahrnehmung, gespürter Interaktion und alltagsbezogenem Handeln basiert. Sie wurde von Félicie Affolter entwickelt, um Menschen mit Wahrnehmungsstörungen, neurologischen Beeinträchtigungen und eingeschränkter Handlungsfähigkeit zu unterstützen. Durch sensorisch erfahrbare, geführte Alltagshandlungen kann sie dazu beitragen, motorische und kognitive Prozesse zu fördern, Selbstständigkeit zu verbessern und Patienten in ihrer Rehabilitation zu begleiten.

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